Interview mit H.M. Mai 2011

Was denn nun: Balkan, Tango oder Swing?

Balkan Tango Swing sind natürlich Schubladen, die wir hier aufmachen. Aber in gewisser Weise auch bewußt widersprüchliche Schubladen, denn bei Balkan denkt man beispielsweise eher an extrovertierte Musik als beim wehmütigen Tango. Alle drei Begriffe haben mit Traditionen zu tun und wir versuchen diese Traditionen aufzugreifen, indem wir die alten Lieder spielen und gleichzeitig durch eigene Kompositionen weiterentwickeln. Wir machen in unseren eigenen Stücken also sozusagen „New Traditional Music“.

Darüberhinaus ist unser Stil ein Resultat unserer Erfahrungen, die von Kirchenmusik, Kammermusik, Orchester über Neue und improvisierte Musik, Jazz und Rock bis hin zu Tanzmusik reicht.

Womit wir beim Feiern wären...

Obwohl wir ja konzertant spielen hat unsere Musik tatsächlich viel mit Tanz zu tun. Einige Stücke aus unserem Repertoire werden seit Generationen auf Hochzeiten gespielt. Musikantisch ist vielleicht das passende Wort und es kann auch eine gewisse Virtuosität beinhalten. Allerdings weniger akademisch, sondern eher Spielfreude und ein überschwängliches Lebensgefühl vermittelnd.

Nur nebenbei: Wenn man Kunstmusik aus dem Barock hört, hört man sehr viele tänzerische Elemente. Bei zeitgenössischer E-Musik ist Tanz geradezu ein Vergehen. Diese Dogmen sollte man ruhig mal hinterfragen.

Ich höre allerdings auch dunkle, nachdenkliche Momente.

Alles hat zwei Seiten und die wahre Freude weiß auch um die dunklen Seiten, denn sonst wäre es keine wahre Freude sondern ein Selbstbetrug. Und diese „Weisheit“ fließt natürlich auch in unsere Musik ein. Was wäre Yin ohne Yang?

Stichwort Improvisation...

Wenn alles, was gespielt wird, schon vorher feststeht kann es schnell zur Routine werden. Improvisation in den Stücken erzwingt eine Wachheit der Musiker, denn die Musik kann von Konzert zu Konzert völlig unterschiedliche Richtungen einschlagen.

Die tiefsten und wertvollsten Momente eines Konzertes sind fast immer improvisiert und ich kann für mich sagen, dass ein Konzert ohne Improvisation eigentlich gar kein richtiges Konzert ist. 

Warum spielt ihr dann nicht rein improvisierte Musik?

Arrangierte Musik bietet ganz andere Möglichkeiten. Mehrstimmigkeit, komplexe Akkordwechsel, bestimmte Abläufe kann man einfach nicht improvisieren. Und wir spielen einfach gerne bestimmte Stücke. Wir mögen es, wenn arrangierte und freie Stellen sich abwechseln. Dadurch gewinnt beides.

Wie probt ihr die freien Stellen?

Man kann Ideen sammeln und Bereiche abstecken aber die Essenz der Improvisation entsteht fast immer vor Publikum und selten im Proberaum, was auch völlig OK ist. Auch der Klang des Raumes trägt viel dazu bei. In manchen Räumen klingt beispielsweise das Sopransax besser, in anderen das Tenorsax.

Wie kam es zu dieser außergewöhnlichen Besetzung?

Ben und ich spielen schon lange zusammen. Wir wollten uns erweitern, allerdings wollten wir das so tun, dass es eine gewisse Herausforderung ist. Wir lernten Franziska kennen und spielten ein sehr schönes Konzert zusammen und dabei blieb es dann einfach. (glücklicherweise) Das Cello bietet wunderbare Möglichkeiten vom Bass über die hohe Melodie bis hin zum Geräusch. Ein sehr schöner Kontrast zu Gitarre und Saxophon. Und auch ein Moment der Disziplinierung, denn zu dritt muss vieles einfach klar festgelegt sein.

Welche Pläne gibts für die Zukunft?

Erst mal die CD vollenden und physisch in die Welt setzen. Dann haben wir einfach viele spielenswerte Stücke und die wollen wir möglichst oft spielen. Später wird es auch Schwerpunkt-Programme geben beispielsweise mit Bearbeitungen alter Choräle.

Wir sprechen uns dann hoffentlich, wenn es soweit ist.

Klar.

 

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